Excel-Auswertungen: Weniger kopieren, Zahlen besser prüfen
Dateien suchen, Meldungen kopieren, Werte korrigieren: Jede Woche dieselbe Auswertung. Bevor Sie die Übertragung automatisieren, legen Sie fest, welche Frage die Zahlen beantworten sollen. Die fertiggestellte Wochenmenge braucht andere Daten als eine Übersicht aller offenen Aufträge.
200 Stück – aber eine Meldung fehlt
Ein ausgedachtes Beispiel: Für die Woche vom 12. bis 16. Oktober erwartet ein Betrieb vier Produktionsmeldungen. Jede gehört zu einem festgelegten Auftrag und Arbeitsgang. Gezählt werden fertiggestellte Gutteile dieses Arbeitsgangs, ohne Ausschuss und unfertige Teile.
- M-201: 120 Gutteile, bestätigt.
- M-202: 80 Gutteile, bestätigt.
- M-203: 0 Gutteile, ausdrücklich bestätigt; nichts fertiggestellt.
- M-204: noch nicht eingegangen.
Die bisher gemeldete Menge ist 120 + 80 + 0 = 200 Gutteile. Zum Ergebnis gehört: „Vorläufig: 200 Gutteile; 3 von 4 erwarteten Meldungen liegen vor. M-204 fehlt.“ Die bestätigte Null zählt als vorhandene Meldung.
Kommt M-204 mit 50 Gutteilen nach, ist die Woche mit 250 vollständig. Würde die fehlende Meldung vorher als null behandelt, sähen die 200 Stück bereits wie ein abgeschlossenes Ergebnis aus.
Fünf Regeln für die Übernahme
- Zeitraum: Im Beispiel gilt der Tag der Fertigstellung, nicht der Eingang der Datei. Eine verspätete Meldung gehört in ihre Produktionswoche.
- Erwartete Meldungen: Führen Sie eine Liste der Aufträge und Arbeitsgänge, deren Meldungen vor dem Wochenabschluss vorliegen müssen. Ergänzungen und Ausnahmen werden festgehalten.
- Kennung: Jede Meldung braucht eine eigene Kennung. Erneutes Einlesen darf ihre Menge nicht noch einmal addieren. Die Auftragsnummer reicht bei mehreren Arbeitsgängen oder Teilmengen nicht aus.
- Menge: Übernehmen Sie bestätigte Gutteile in derselben Einheit und für den festgelegten Arbeitsgang. Unterschiedliche Einheiten und mehrfach gezählte Fertigungsstufen verfälschen die Summe.
- Korrektur: Eine Berichtigung ersetzt die benannte Meldung. Bewahren Sie die ursprünglichen Daten auf und halten Sie geänderten Wert und Grund fest. Nachträge und Berichtigungen bekommen eine erkennbare neue Ergebnisfassung.
War eine Meldung vorgesehen und wurde nichts produziert, muss die Null bestätigt werden. War gar keine Arbeit geplant, kann der Auftrag nach Ihrer vereinbarten Abgrenzung von der Wochenliste ausgenommen sein.
Prüfen Sie vor dem Summieren Kennung, Zeitraum, Einheit und Wert. Unbekannte Kennungen, doppelte Einträge, leere Werte oder unklare Berichtigungen kommen auf eine Klärliste. Im Ergebnis stehen Zeitraum, Erstellungsstand, Menge und Vollständigkeit.
Steckbrief für Ihre Auswertung
Füllen Sie diese Zeilen mit der letzten tatsächlich erstellten Auswertung aus:
- Zweck: Wer braucht das Ergebnis für welche Entscheidung?
- Abgrenzung: Welcher Zeitraum, welche Aufträge oder Arbeitsgänge und welche Einheit zählen?
- Quellen: Woher kommen die Meldungen? Welche müssen vollständig vorliegen?
- Übernahme: Welche Kennung, welches Datum und welcher bestätigte Wert gelten?
- Ausnahmen: Wie behandeln wir fehlende Meldungen, Nullwerte, doppelte Einträge und Berichtigungen?
- Abschluss: Wer klärt offene Punkte, gibt das Ergebnis frei und kennzeichnet neue Fassungen?
Alten und neuen Ablauf vergleichen
Nehmen Sie eine gewöhnliche Woche und eine mit fehlender Meldung oder Korrektur. Erstellen Sie beide Auswertungen aus denselben Ursprungsdaten. Verfolgen Sie Abweichungen bis zur einzelnen Meldung zurück; auch im bisherigen Ablauf kann ein Fehler stecken.
Lesen Sie dieselben Daten erneut ein: Die Summe muss gleich bleiben. Spielen Sie danach eine nachgereichte Meldung und eine Berichtigung durch. Lassen Sie eine zweite Person prüfen, ob die aufgeschriebenen Regeln für diese Fälle ausreichen.
Was lohnt sich zu automatisieren?
Bei wenigen Quellen und festen Zuständigkeiten kann Excel genügen. Zusätzliche Unterstützung hilft vor allem bei häufigen Übertragungen, vielen meldenden Personen oder aufwendigen Vollständigkeitsprüfungen.
Notieren Sie einige Wochen lang den Zeitaufwand für Übertragen, Prüfen und fachliche Rückfragen sowie die nötige Nacharbeit. Vergleichen Sie ihn mit Einrichtung, Pflege und Ausnahmebehandlung der geplanten Lösung. Beginnen Sie mit einem häufigen Kopierschritt, dessen Übernahmeregel feststeht.